Samstag, 26. September 2009

Wild Wild West















Gestern habe ich mal wieder eine urtexanische Erfahrung zu meinem bisherigen Schatz hinzugefügt: Meine Mitbewohnerin Danielle, ihre Freundin Claire und ich sind zu Coerts Ranch gefahren (etwa 2 Std. von Denton entfernt, bei Archer City und Lake Kickapoo, hahaha). Das ist ein riesen Stück Land, dass er sich mit ein paar anderen teilt, um da jagen zu gehen. Wir fuhren also in Coerts immens großem Truck, den ihr jetzt endlich auch auf einem Foto sehn könnt, beladen mit Gewehren, Richtung Westen. That is the wild wild west! Das Fotomaterial veranschaulicht hoffentlich ganz gut, wie Danielle und ich unsere ersten Schießversuche auf einen Plastik-Milchbehälter unternehmen, während Claire - die eine eigene shotgun hat - sich etwas professioneller anstellt:) Ich kann zumindest mit Stolz behaupten, dass ich unser target direkt beim ersten Versuch getroffen hab, während Danielle 4 Mal daneben geschossen hat... Jagdtechnisch war es kein besonders erfolgreicher Tag, Coert hat uns aber immerhin zwei Tauben und zwei Wachteln geschossen und später in etwa 2 Sekunden sauber und küchenfertig gemacht, wow, Profi.
Abends dann eine weitere kulturelle Annäherung, diesmal an landestypische Sitten der studentischen Partywelt. Wir waren hier im Forum auf einer Party in einem der anderen apartments und ich habe zum ersten Mal das allseits beliebte Saufspiel Beer-Pong gespielt... Nun gut, man muss alles mal mitgemacht haben.
Ich hatte übrigens diese Woche meinen ersten Arbeitstag im Murchison Center of Performing Arts. Das ist wirklich ein netter Job, Tickets scannen, Leute begrüßen...und ansonsten das Konzert anhören! Und die Kollegen sind auch alle total nett. Glaube, das war ein guter Griff. Nun denn, ich muss mich jetzt an "schoolwork" machen (die sagen "school" zur Uni), denn diese fun activities die ich hier aufliste finden natürlich nur gelegentlich statt, während man wirklich ziemlich viel für die Uni machen muss (ständig kleine Tests, kürzere und längere paper etc.). Ich hoffe daheim genießt ihr gerade Federweißen und Zwiebelkuchen! Ich bin etwas neidisch...

Dienstag, 15. September 2009

Einmonatiges...

Am 15. August bin ich aus dem Flugzeug in einen heißen texanischen Sommer gestolpert. Einen Monat später regnet es draußen, aber das Leben ist nur sonniger geworden:)
Langsam komme ich richtig an. Ich lerne nach und nach immer mehr nette und interessante Leute kennen, und habe dieses Wochenende mal gebührend auf Studentenart einen drauf gemacht, mit football Spiel und anschließendem feiern gehen bis in die Morgenstunden:) (wir haben verloren, aber was macht das schon...)
Mit der Uni geht es richtig los, die ersten Papers stehen an und Hausaufgaben gibt es auch immer genügend. Gestern kam dann ein von mir ersehnter Anruf: ich hab einen Job!! Werde auf dem Campus im Theater arbeiten, als Platzanweiserin. Was genau dazugehört werde ich am Samstag erfahren, wo wir unseren Ausbildungstag haben. Freu mich total, denn als international student darf man nur auf dem Campus arbeiten und es gibt zwar viele jobs, aber nicht alle sind erstrebenswert (in den Cafeterias...) und die amerikanischen Studenten suchen auch alle Arbeit. Bin also froh, dass es geklappt hat und hoffe auf nette Kollegen und das ein oder andere Theaterstück/Konzert, das ich auf diese Weise mitbekomme!
Wünsche euch allen eine schöne Woche!

Mittwoch, 9. September 2009

Adresse

Langweilig aber von einigen verlangt: meine Adresse!

201 Inman Road
Apartment 11208
Denton, Tx 76205

[Cell# (940) 442 4245]

So, jetzt erwarte ich aber auch ein paar Briefe, Karten und Päckchen:)

Montag, 7. September 2009

God and Guns

Ich brauche gar nichts mehr sagen, it's all in the title: Texas vereint den Christen und den Cowboy, und man kann kurzzeitlich verwirrt sein, wenn man zum ersten Mal mit dieser Quintessenz des texanischen Daseins konfrontiert wird.
Meine erste Waffenerfahrung hatte ich mit Coert, einem Freund meiner Mitbewohnerin Danielle, den ich eines Morgens auf unserer Couch schlafend entdeckte. Die Cowboystiefel hatte er zum Glück brav ausgezogen. Coert hatte nichts zu tun und Danielle war in der Uni, also bot er an, mich mit seinem überdimensional großen roten Truck (in Texas everything's bigger)zur Bank und zum Einkaufen zu kutschieren. Ich nahm dankend an. Coert ist ein echter Redneck. Naturbursche mit Jagdleidenschaft, der seinen Sommer in einer abgelegenen Hütte in Montana verbracht hat, wo Braunbären bis auf die Terrasse kommen (ich habe die Bilder gesehen, sowie auch die von sämtlichen gejagten Turkeys, Armadillos, Wild etc.). Bei Walmart fiel Coert ein, dass er dringend ein neues Gewehr braucht, und so fanden wir uns vor dem Waffenstand wieder (etwa zwischen Elektrogeräten und Babybedarf), wo Coert sich ein Gewehr ansah. Um eine Waffe zu kaufen, muss man 18 sein und einen Ausweis dabei haben...
Auf dem Heimweg im Auto hielt ich zum ersten Mal einen Revolver, ganz schön schwer so ein Ding, endlich verstehe ich, wieso die in Filmen immer Leute damit k.o. schlagen. Wurde auch zum Jagen eingeladen und mir wurde zudem eine Waffe zum Geburtstag versprochen:)
Gestern habe ich mich dann an das Experiment Kirche gewagt, gleich im Doppelpack, einmal morgens und einmal abends. Es gibt hier unzählige kleine und größere Kirchen, ich denke die meisten sind Baptist, es gibt aber auch ein paar Methodist, und einige ohne Kofessionszuschreibung. Der Gottesdienst ging um halb 11 los, also ganz menschlich. Auf der Bühne war eine Band (Schlagzeug, E-Gitarre etc.), dahinter eine große Fernsehleinwand auf der wie beim Karaoke die Lied- (und auch Bibel-)texte mitliefen. Es gab erstmal etwa 4 "we love Jesus"-songs zum mitsingen, dann trat der "Pfarrer" auf die Bildfläche. Richard, in Jeans und Hemd. Netter Kerl. Die ganze "Predigt" war sehr ... praktisch angelegt, er sprach Geldprobleme etc. an. Aus der Bibel gab ein paar Stellen aus David und Goliath, bezogen auf das Leben ging es um die "Goliaths" jedes Einzelnen von uns. Der Plauderton war ganz nett, sonderbar wurde es, als gebetet wurde. Plötzlich wurden seine Worte sehr schnell, intensiv und eindringlich. Er bot an, dass man nach vorne und mit ihm zusammen sein persönliches Gebet sprechen könnte. Das sah so aus: zum Beispiel ein Pärchen ging vor, sie stellen sich mit Richard in einen kleinen Kreis wobei Richard beide umarmte und beschwörend auf sie einredete. Man konnte leider nur Brocken verstehen, sowas wie "God loves you, man, you are great, he loves you!" und ähnliches. Es muss eine sehr intensive Erfahrung gewesen sein, denn es stand eine Kleenex-Box zum Tränenabwischen bereit - die von den meisten Leuten sowie dem Pfarrer in Anspruch genommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich glaub ich am meisten befremdet.
Abends war ich dann nochmal in einer anderen Kirche (beide übrigens ohne feste Kofessionszugehörigkeit, natürlich aber protestantisch), die war nicht ganz so abgedreht. Es gab auch die Band und sing-along Lieder. Die Predigt wurde auf einer Leinwand übertragen, da diese Gemeinde wohl mehrere Kirchen hat und der Pfarrer sonntags Abends immer in einer anderen Kirche ist. Er sah aus wie Mitte zwanzig, trug lässige Jeans und ein Hemd und ich konnte an einigen Stellen nicht unterscheiden, ob das die Übertragung des Auftritts eines Comedian war, oder eine Predigt. Alles in allem hatte er aber einiges mehr drauf als Richard, und er las eine längere Bibelstelle, die dann mit einfachen Worten und für alle verständlich erklärt wurde.
Soweit meine texanischen Waffen- und Religionserfahrungen. Einen kleinen Schock hatte ich letztens noch an der Uni, als es um Zensur ging, und der Prof plötzlich sagte: Zensur, ihr kennt das ja, hat jemand ein Beispiel? Und dann von den Studenten kam: ja das ist z.B. wie bei uns in der highschool, wo einige Bücher nicht gelesen werden dürfen (kommt wohl auf den Ort an, aber es GIBT es!!!). Beispiele die genannt wurden: Huckleberry Finn, Catcher in the Rye. Wow.
So, es ist ein wundervoll sonniger Tag und ich habe FREI, Labor Day:) Vielleicht gehe ich an den Pool...(haha, will euch nur neidisch machen).