Montag, 7. September 2009

God and Guns

Ich brauche gar nichts mehr sagen, it's all in the title: Texas vereint den Christen und den Cowboy, und man kann kurzzeitlich verwirrt sein, wenn man zum ersten Mal mit dieser Quintessenz des texanischen Daseins konfrontiert wird.
Meine erste Waffenerfahrung hatte ich mit Coert, einem Freund meiner Mitbewohnerin Danielle, den ich eines Morgens auf unserer Couch schlafend entdeckte. Die Cowboystiefel hatte er zum Glück brav ausgezogen. Coert hatte nichts zu tun und Danielle war in der Uni, also bot er an, mich mit seinem überdimensional großen roten Truck (in Texas everything's bigger)zur Bank und zum Einkaufen zu kutschieren. Ich nahm dankend an. Coert ist ein echter Redneck. Naturbursche mit Jagdleidenschaft, der seinen Sommer in einer abgelegenen Hütte in Montana verbracht hat, wo Braunbären bis auf die Terrasse kommen (ich habe die Bilder gesehen, sowie auch die von sämtlichen gejagten Turkeys, Armadillos, Wild etc.). Bei Walmart fiel Coert ein, dass er dringend ein neues Gewehr braucht, und so fanden wir uns vor dem Waffenstand wieder (etwa zwischen Elektrogeräten und Babybedarf), wo Coert sich ein Gewehr ansah. Um eine Waffe zu kaufen, muss man 18 sein und einen Ausweis dabei haben...
Auf dem Heimweg im Auto hielt ich zum ersten Mal einen Revolver, ganz schön schwer so ein Ding, endlich verstehe ich, wieso die in Filmen immer Leute damit k.o. schlagen. Wurde auch zum Jagen eingeladen und mir wurde zudem eine Waffe zum Geburtstag versprochen:)
Gestern habe ich mich dann an das Experiment Kirche gewagt, gleich im Doppelpack, einmal morgens und einmal abends. Es gibt hier unzählige kleine und größere Kirchen, ich denke die meisten sind Baptist, es gibt aber auch ein paar Methodist, und einige ohne Kofessionszuschreibung. Der Gottesdienst ging um halb 11 los, also ganz menschlich. Auf der Bühne war eine Band (Schlagzeug, E-Gitarre etc.), dahinter eine große Fernsehleinwand auf der wie beim Karaoke die Lied- (und auch Bibel-)texte mitliefen. Es gab erstmal etwa 4 "we love Jesus"-songs zum mitsingen, dann trat der "Pfarrer" auf die Bildfläche. Richard, in Jeans und Hemd. Netter Kerl. Die ganze "Predigt" war sehr ... praktisch angelegt, er sprach Geldprobleme etc. an. Aus der Bibel gab ein paar Stellen aus David und Goliath, bezogen auf das Leben ging es um die "Goliaths" jedes Einzelnen von uns. Der Plauderton war ganz nett, sonderbar wurde es, als gebetet wurde. Plötzlich wurden seine Worte sehr schnell, intensiv und eindringlich. Er bot an, dass man nach vorne und mit ihm zusammen sein persönliches Gebet sprechen könnte. Das sah so aus: zum Beispiel ein Pärchen ging vor, sie stellen sich mit Richard in einen kleinen Kreis wobei Richard beide umarmte und beschwörend auf sie einredete. Man konnte leider nur Brocken verstehen, sowas wie "God loves you, man, you are great, he loves you!" und ähnliches. Es muss eine sehr intensive Erfahrung gewesen sein, denn es stand eine Kleenex-Box zum Tränenabwischen bereit - die von den meisten Leuten sowie dem Pfarrer in Anspruch genommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich glaub ich am meisten befremdet.
Abends war ich dann nochmal in einer anderen Kirche (beide übrigens ohne feste Kofessionszugehörigkeit, natürlich aber protestantisch), die war nicht ganz so abgedreht. Es gab auch die Band und sing-along Lieder. Die Predigt wurde auf einer Leinwand übertragen, da diese Gemeinde wohl mehrere Kirchen hat und der Pfarrer sonntags Abends immer in einer anderen Kirche ist. Er sah aus wie Mitte zwanzig, trug lässige Jeans und ein Hemd und ich konnte an einigen Stellen nicht unterscheiden, ob das die Übertragung des Auftritts eines Comedian war, oder eine Predigt. Alles in allem hatte er aber einiges mehr drauf als Richard, und er las eine längere Bibelstelle, die dann mit einfachen Worten und für alle verständlich erklärt wurde.
Soweit meine texanischen Waffen- und Religionserfahrungen. Einen kleinen Schock hatte ich letztens noch an der Uni, als es um Zensur ging, und der Prof plötzlich sagte: Zensur, ihr kennt das ja, hat jemand ein Beispiel? Und dann von den Studenten kam: ja das ist z.B. wie bei uns in der highschool, wo einige Bücher nicht gelesen werden dürfen (kommt wohl auf den Ort an, aber es GIBT es!!!). Beispiele die genannt wurden: Huckleberry Finn, Catcher in the Rye. Wow.
So, es ist ein wundervoll sonniger Tag und ich habe FREI, Labor Day:) Vielleicht gehe ich an den Pool...(haha, will euch nur neidisch machen).

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